Bargeld vs. Kartenzahlungen – Sind wir bereit für bargeldloses Bezahlen?

Deutschland gilt als das Land der Dichter und Denker. In literarischen Sphären schwebend und verbunden mit den ehrlichen Werten des Alltages, an denen gern festgehalten wird. Was sich bewährt hat, hat Tradition. Diese Ansicht lässt sich auch auf das Verhalten und Festhalten an Bargeld übertragen, was Deutschland als europäisches Land stark auszeichnet. Während andere Länder mit kontaktlosem Bezahlen und alternativen Zahlungsmöglichkeiten weit vorangeschritten sind, hält der Deutsche am Kleingeld fest. 

Viele physische Produkte braucht der Mensch nicht mehr, um seinen Alltag zu bestreiten. Bücher wandeln sich in E-Books, Musik wird gestreamt, Filme kommen per WLAN in das eigene Heimkino und Spiele finden nur noch selten als Brett-Variante am Küchentisch statt. Die Entwicklung in Richtung online basierter und mobiler Anwendungen ist unaufhaltsam: Freizeitangebote benötigen nicht zwangsläufig greifbare Produkte. Online Casinos beweisen, wie es funktioniert, und sind in einer vielfältigen Art und Weise expandiert. Der Weg an den Roulettetisch in der örtlichen Spielbank ist nach wie vor ein tolles Erlebnis, aber am Spiel mit der Kugel kann auch bequem von Zuhause teilgenommen werden. 

Wenn es für physische Produkte jeweils digitale Alternativen gibt, warum hängt besonders Deutschland an seinem Bargeld? Trotz boomenden Online Handel und bargeldlosen Zahlungsmitteln wie Apple Pay, Google Pay oder PayPal, gehört Deutschland zu den wenigen europäischen Ländern, die Kartenzahlungen und alternative Bezahlmethoden noch nicht flächendeckend einsetzen.

Großbritannien und Skandinavien liegen vorn

Eine Untersuchung ergab, dass in Deutschland 3 von 4 Personen ihre Einkäufe noch mit Bargeld bezahlen. Ganz im Gegensatz dazu steht Schweden beispielsweise, wo der bargeldlose Zahlungsverkehr federführend vom Staat gefördert wird. Das Resultat: Weniger Falschgeld befindet sich im Umlauf und weniger kriminelle Taten in Bezug auf Raub sind die Folge. Zusätzlich ist es für den Verbraucher deutlich angenehmer: Ein zeitraubender Umweg, der am Geldautomaten vorbeiführt, gehört der Vergangenheit an. Einen positiven Kontostand vorausgesetzt, ist Zahlen immer möglich.

An diesem Punkt ist Deutschland leider noch nicht angekommen. Der Einzelhandel akzeptiert zwar Kartenzahlungen problemlos, doch kleinere Boutiquen oder Eckkneipen setzen weiter auf bewährtes Kleingeld. Der Grund liegt in den Gebühren, die pro Transaktionen abgerechnet werden und die Geschäftsinhaber zu tragen haben. Je nach Durchlauf der Kundschaft mindert dies den täglichen Umsatz um mehrere Euros im vierstelligen Bereich.

Hoffnung liegt auf Änderungen seitens der Regierung

Doch auch Verbraucher zögern noch häufig digitale Zahlungsmethoden einzusetzen oder ihre Karte zu zücken. Die Angst vor Datenmissbrauch ist hoch und bremst die digitalen Zahlungsoptionen aus. Zwar werden auf Social Media Accounts und anderen Onlineangeboten freiwillig Daten und eingegeben, um im Internet zu shoppen, doch das Misstrauen bei Kartenzahlung im Einzelhandel bleibt. Ein Thema, dem sich auch die Politik widmen sollte und mehr die Wirtschaft in diesem Bereich unterstützen sollte.

Die Liebe zwischen den Deutschen und ihrem Bargeld wird weiterhin noch bestehen bleiben. Die Zukunft wird zeigen, ob Bargeld eine Chance hat bei der stetigen Entwicklung neuer Zahlungsmöglichkeiten oder ob der Handel vor den steigenden Schnittstellen, Kompatibilitätsarbeiten und Zusatzgeräten zurückschreckt. Bis dahin wird in vielen Supermärkten und Bars noch auf den Cent genau gezahlt werden. 

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